Rahrbachtal

Historie von Benolpe

Benolpe, in alten Urkunden noch Bennoilpe, Pennolpe, Bennolepen genannt, liegt an der Südostgrenze des alten kurkölnischen Herzogtums Westfalen, des heutigen südsauerländischen Gebirgskreises Olpe, und zwar an der 1844-47 erbauten Lenne-Sieg-Straße, bzw. an der in den Jahren 1856-61 erbauten Ruhr-Sieg-Bahn. Es liegt nicht weit von der alten kurkölnisch-nassauischen Landhecke, einer markanten Stammes-, Sprach-, Konfessions- und Wasserscheide. Der Name Benolpe ist aus ben-ol-apa entstanden. Damit rückt unser Dorf in die Reihe der “apa”-Siedlungen ein, um deren Ursprung und zeitliche Festlegung sich Sprachwissenschaftler und Vorgeschichtler noch heute bemühen. Benolpe würde danach etwa “Siedlung am Sumpfwasserland” bedeuten. Die Erklärung hätte einen hohen Grad der Wahrscheinlichkeit für sich, zumal fast der gesamte südliche Talhang früher Bruchland war und auch die anschließenden Talwiesen rechts und links der Olpe zur Zeit der Besiedlung wahrscheinlich noch versumpft waren.

 

Über das Alter des Dorfes kann nichts Bestimmtes gesagt werden. Man nimmt an, daß die “apa”-Siedlungen unseres heimatlichen Raumes erst in nachkarolingischer Zeit entstanden sind. Beim Hundemer Freigrafschaftsverkauf im Jahre 1395 wird Benolpe zum erstenmal urkundlich erwähnt, und zwar mit drei Höfen. Das heißt nicht, daß Benolpe seinerzeit nur aus diesen drei Höfen bestanden hätte. Das Schatzungsregister von 1536 zählt etwa 20 Höfe auf. Ein Verzeichnis vom 12.11.1666, das auf ein älteres Registei vom Jahre 1599 zurückgeht, nennt 32 Bauern in Benolpe, von denen 30 “freibilsteinisch”, zwei eigenhörig waren, die eigenhörigen waren vermutlich dem Vogt von Elspe zinspflichtig.

 

Die Benolper Einsassen waren Waldbauern, wandten sich aber schon früh dem Frachtverkehr zu. Einmal trieb sie Landnot dazu. Dann aber wurden sie durch die günstige Lage des Dorfes in der Nähe uralter Verkehrsstraßen (Heidenstraße, Römerstraße, Bergstraße) geradezu auf die Möglichkeit hingewiesen, durch Ubernahme von Frachtfahrten ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Benolper Fuhrleute sind schon im 15. Jahrhundert nachzuweisen. Im Laufe der Jahrhunderte betrieben sie einen Nahverkehr, einen Fernverkehr und einen Uberlandverkehr. Im Nahverkehr beförderte man Roheisen, Schmiedeeisen, Stahl und Holzkohle im Raume Siegen-Olpe-Benolpe-Meggen-Saalhausen. Die Fernfahrer brachten hauptsächlich Olper Eisenwaren in die Mark, ins Münsterland, ins Osnabrücksche, ins Hochstift Paderborn und an den Rhein. Ihre Reisen dauerten je nach der Entfernung bis zu drei Wochen. Die Überlandfahrer blieben monatelang im Lande. Sie pendelten zwischen Mainz, Köln, Aachen, Düsseldorf, Elberfeld einerseits und Berlin, Halle, Leipzig, Braunschweig, Naumburg andererseits. Sie hatten ihre festen Handelshäuser, deren Warenaustausch sie vermittelten. Kamen sie ein- oder zweimal im Jahre ins Dorf zurück, dann brachten sie Salz, Getreide, Wein, Tabak, Tuche und ähnliche Dinge mit. Mit dem Bau der Eisenbahnen starb das Fuhrmannsgewerbe allmählich aus. Der letzte Benolper Fuhrmann, Johann Nolte (Pickesmann), derselbe, den Dr. Johannes Hatzfeld im Vorwort zum “Tandaradei” seinen liederkundigen Freund nennt, starb im Jahre 1939. Mit ihm erlosch eine über 400jährige Tradition. Neben dem Frachtverkehr wandte man sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Leineweberei, der Gerberei und der Köhlerei zu. Die beiden ersten Gewerbe haben kaum Bedeutung gehabt, aus der Köhlerei zog man jedoch in manchen Jahren nicht unerheblichen Gewinn. Mit dem Bau der Ruhr-Sieg-Bahn erloschen auch die Meiler nach und nach; denn die Hüttenwerke benutzten den billigeren Zechenkoks. Es gab aber immer noch Spezialindustrien, die auf Holzkohle angewiesen waren, und noch um 1900 fuhren die “Kualkoizen’.’ nach Hofolpe, Welschen Ennest und Altenhundem.

 

Kirchlich hat Benolpe bis zur Errichtung einer eigenen Pfarrvikarie zu Kirchveischede gehört, doch soll schon um 1400 eine Kapelle bestanden haben. Sicheres weiß man darüber nicht. Für das Jahr 1537 aber ist sie bezeugt, denn da hatte sie Einkünfte und mußte jährlich drei Korrentgulden (etwa zehn Goldmark) zur Rechnungsumlage an das Offizialat in Werl abführen. Der um das Jahr 1500 hier bestehende Familienname “Hans vorm Kirchhove”, später “Hüawels”, heute “Hoves” spricht aber dafür, daß die Kapelle schon früher bestanden hat. Sie war der hl. Elisabeth geweiht. Wenn man bedenkt, daß schon bald nach der Heiligsprechung dieser großen deutschen Frau (1235) überall Elisabethkirchen und Elisabethkapellen erstanden, dann ist es gar nicht so ausgeschlossen, daß um das Jahr 1400 wirklich schon eine Kapelle in unserem Dorfe bestand. Gottesdienst fand nur am Feste der hl. Elisabeth und am Sonntag vor Johannes Baptist, dem Benolper Kirchweihtag, statt. An diesen beiden Tagen war der zeitliche Pfarrer von Kirchveischede verpflichtet, mit dem Küster in Benolpe zu erscheinen und dort ein feierliches Hochamt zu halten. Dafür erhielt er 18 Petermännchen, der Küster 9. In den Jahren 1816/17 hielten sich zwei französische Geistliche hier auf, die den Gottesdienst versahen.

 

Sie wurden von den Bauern beköstigt, hatten aber sonst keinerlei Einnahmen. Im übrigen aber mußten die Benolper Einsassen jeden Sonn- und Feiertag den einstündigen Weg über das Hohe Arnscheidt nach Kirchveischede machen. Das war besonders im Winter und an Regentagen kein Vergnügen. Es ist daher zu verstehen, daß man schon immer darauf bedacht war, einen eigenen Geistlichen zu bekommen. Die finanzielle Grundlage dafür schufen acht Benolper Bauern, die im ,Jahre 1855 das Neusersche Gut (später Hatzteld-Liese) aufkauften, es so geschickt verwalteten, und die übrigen Einsassen zu so großen persönlichen Opfern zu bewegen wußten, daß schon am Heiligenabend des Jahres 1868 der erste eigene Geistliche, Vikar Ludwig Auffenberg, in Benolpe einziehen konnte. Am 1. März 1905 wurde Benolpe Filialgemeinde von Kirchveischede mit eigener Vermögensverwaltung und einige Jahre später Pfarrvikarie. Im Jahre 1912 errichtete man unter großen Opfern die jetzige schöne romanische St. Elisabethkirche.

Wesentlich früher hatte Benolpe eine eigene Schule. Schon für das Jahr 1714 ist ein eigener “Schulmeister” bezeugt. Etwa vom Jahre 1790 an besaß das Dorf ein eigenes, wenn auch bescheidenes Schulhaus. Es stand vor dem jetzigen Streletzschen Hause. Die Lehrer waren sogenannte Winterlehrer, Handwerker oder Tagelöhner, die lesen, schreiben und ein wenig rechnen konnten. Sie erhielten je Kind ein paar Stüber Schulgeld und suchten sich die Kost von Haus zu Haus. Mit der Anstellung Aloys Sielers, des ersten durch einen “Normialkursus” vorgebildeten Lehrers, im Jahre 1807, wurde die bisherige Nebenstelle zu Benolpe anerkannte Volksschule. Im Jahre 1826 wurde das alte Schulgebäude durch ein neues ersetzt. Es stand in der Osthälfte des Vikariegartens. Schon 1890 war es abbruchreif und wurde am Nordostausgang des Dorfes durch einen einstöckigen Backsteinbau ersetzt. Bis zum Jahre 1928 stieg die Kinderzahl so stark an, daß ein zweites Klassenzimmer notwendig wurde. Man stockte das alte Gebäude auf und erhielt damit ein Schulhaus, das dem Dorfe wirklich zur Zierde gereicht.

 

Die alten Chroniken, deren Aufzeichnungen bis ins 14. Jahrhundert hinabreichen, berichten auch für unser Dorf von Pest, Hunger und Kriegen, von langen, eisigen Wintern, von dürren Sommern und verfaulten Ernten, von Viehseuchen, von Feuer- und Wassernot, von verwüsteten Höfen und erschlagenen Bauern. Um 1580 begannen die Hexenverbrennungen im Amte Bilstein. Nach den im Schloß Herdringen bei Neheim aufbewahrten Prozeßakten zählten auch sechs Benolper Frauen zu den unglücklichen Opfern. Alle haben unmenschliche Foltern ertragen müssen und sind dann wahrscheinlich verbrannt worden. Im Jahre 1584 machten die zuchtlosen Horden des abtrünnigen Erzbischofs Gebhard, Truchseß von Waldburg, unsere Gegend unsicher, raubten, plünderten und drangsalierten die Bauern. 1598/99 wütete die Pest in unserer Gemeinde, 1636 zum zweitenmal. 171 Menschen fielen ihr zum Opfer. Dann kam die notvolle Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Wenn unser Dorf auch abseits der großen Heerstraße lag, müssen doch mordende und plündernde Haufen nach hier gefunden haben, denn im Jahre 1696 verzeichnen die Schatzungslisten 7 Höfe als “wuist”. Am 8. November 1776 zerstörte eine große Feuersbrunst 7 Häuser: Kaufmanns, Schmies, Mertens, Nolten, Gerken, Honighs und Mees Haus. 1808 hatte man für die Einquartierung französischer Truppen 703 Taler zu zahlen. 1816 regnete es 11 Monate fast täglich, sodaß die Feldfrüchte größtenteils verdarben. Es wurde ein böses .Hungerjahr, das bis 1817 anhielt.

 

Die Zeit der großen Not aber fiel in die Jahre 1837-1855. Die Eisenbahnen hatten das Fuhrmannsgewerbe fast schlagartig lahmgelegt. Weberei und Köhlerei boten nur einen kümmerlichen Ersatz. Man versuchte, in den umliegenden Erzbergwerken unterzukommen. Die Not war so groß, daß 11-14jährige Schulkinder mitverdienen mußten. Täglich wanderten sie zu den Gruben Kuhlenberg und Heinrichssegen und brachten dann nach 12stündiger Schicht 5-6 Silbergroschen nach Haus. Für 2 Silbergroschen bekam man damals 1 Pfd. Mehl, für 5 Silbergroschen ein Brot. Zwölf Familien wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus. Mit dem Bau der Ruhr-Sieg-Bahn begann dann aber allmählich wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung. Am 11. Mai 1907, nachmittags gegen 4 Uhr, wurde das Dorf von einem zweiten Großfeuer heimgesucht. Durch Funkenflug aus einer Lokomotive wurden 4 Häuser eingeäschert. Damals wurden Hanses, Sprengers, Schrabben, Peetz, Schäfers und Löckers obdachlos. Auch die zwei Weltkriege sind nicht spurlos an unserem Dorfe vorübergegangen. Doch die Zeit heilt alle Wunden. Es geht auch in Benolpe wieder aufwärts. Aus dem ehemals abgelegenen Waldbauerndorf ist ein gern besuchter Luftkurort geworden, dessen stille Waldtäler alljährlich viele Erholungsuchende zu beschaulicher Ruhe und besinnlichem Verweilen einladen.

 

Und nun müssen wir noch der Muttergottes-Grotte auf dem Beuel gedenken. Pater Adolf Stupperich MSF, ein Sohn unseres Dorfes, der im Dezember 1950 nach 13jähriger Abwesenheit zu einem längeren Erholungsurlaub aus Argentinien in die Heimat zurückkehrte, hat sie mit Hilfe der Dorfjugend erbaut. Bei der feierlichen Einweihung am Fronleichnamstage des Jahres 1951 stellte er sein Heimatdorf unter den Schutz der Gottesmutter. Seit her schaut Maria nun von der beherrschenden Höhe des Beuels ins Tal hinab. Die Grotte aber ist seit dieser Zeit zu einem Ort geruhsamen Verweilens geworden, zu einer Stätte stiller Andacht, die sowohl von Einheimischen als auch von Fremden gern besucht wird.

 

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